Suffizienz und Kirche

Ressourcenverbrauch reduzieren
 
Suffizienz (lat. sufficere = ausreichen, genügen) steht für "das richtige Maß", bzw. "ein genügend an". Einfach erklärt stellt Suffizienz die Frage: wie viel ist genug für ein gutes Leben? Suffizienz bedeutet, den Überkonsum des Globalen Nordens einzuschränken, um dem Globalen Süden die Möglichkeit zu erhalten, sich zu entwickeln. Sie hängt somit eng mit Klimagerechtigkeit zusammen. Suffizienz ist eine wichtige individuelle und politische Nachhaltigkeits-strategie ohne die Klimaneutralität nicht erreicht werden kann.
 
Die Stabsstelle Schöpfung und Umwelt hat Suffizienz zum Schwerpunktthema.
Wir laden alle Kirchengemeinden, diözesanen Einrichtungen und Verbände zu suffizientem Handeln ein. Lassen Sie sich von den Aktionen, Materialien und Veranstaltungen inspirieren!
  

Suffizienz konkret

Die Schreibstuben der Klöster waren die ersten Coworking-Spaces der Welt. Seit einigen Jahren entdecken Kirchen die Kraft der Kollaboration wieder neu.
Die Bibel erzählt mit der Speisung der 5000 vom Wunder des Essenteilens. Durch ihre oft zentrale Lage sind Kirchen ideale Orte für Foodsharing-Fairteiler.
"Leihen ist das neue Kaufen!" Mit der App und Webanwendung verleih.bar teilen Mitglieder von Gemeinden, Vereinen, Jugendgruppen u.a. Gegenstände untereinander.
Die Katholische Kirche Pforzheim ist Mitglied bei Carsharing-Anbieter Stadtmobil und spart somit Dienstwägen.
Buchen Sie Workshops rund um das Thema Suffizienz kostenfrei über unser Referat.
Wissen und Zeit teilen und gemeinsam Alltagsgegenstände wieder funktionstüchtig machen, dass bei Repair-Café im Vordergrund. Verschiedene Möglichkeiten gibt es dazu schon in der Erzdiözese Freiburg.
  

Praxistipps und Materialien

Anleitung für die Durchführung
Diskussionspapier des Sachverständigenrats für Umweltfragen (2024)
Aktion des ökumenischen Netzwerks Eine Erde
Gottesdienstbaukasten der Micha Initiative
Tipps zu Möbeln, Büroausstattung, IT-Geräten, Kirchenbedarf, Leihen
 

Hintergrund

  

 
Auf der politischen Ebene ist Suffizienz, neben Effizienz und Konsistenz, eine wichtige Nachhaltigkeitsstrategie um die Pariser Klimaziele noch zu erreichen. Der IPCC (2022) definiert Suffizienz als " […] alle politischen Maßnahmen und alltäglichen Praktiken, die keine zusätzliche Nachfrage nach Energie, Rohstoffen, Wasser oder Land schaffen und gleichzeitig Wohlstand für alle in den planetaren Grenzen ermöglichen." Unser Planet setzt uns deutliche Grenzen, wenn wir den Anspruch eines guten Lebens für alle Menschen und globale Gerechtigkeit umsetzen wollen. Beispiele für Suffizienzpolitiken sind: Begrenzung des Flächenverbrauchs, progressive Stromtarife, City-Maut für PKW, autofreie (Sonn)tage, Häuser der Eigenarbeit (z.B. Repair Cafés).
  

 
Die Glücksforschung zeigt, dass ab einem gewissen Grad von Wohlstand die Zufriedenheit nicht weiter zunimmt. Es kann sogar befreiend sein, sich von materiellem Ballast, von zu viel Besitz zu befreien. Papst Franziskus schrieb dazu: "Die Genügsamkeit, die unbefangen und bewusst gelebt wird, ist befreiend." (Papst Franziskus, LS 223). Suffizienz lädt die/den Einzelne/n dazu ein, sich Fragen zu stellen wie: was macht mich wirklich glücklich?; Was brauche ich für ein gutes Leben?; Auf was kann ich verzichten, was kann ich teilen, was (ver)leihen?
  

 
Eine Ethik des Genug oder eine Ethik vom gelingendem Leben
(Zusammenfassung des Textes von Dr. Ruth Gütter, Aktionsheft "Mehr Mut zur Gerechtigkeit", S. 9)
 
Die Forderung einer "Ethik des Genug" basiert auf der grundlegenden Verheißung des christlichen Glaubens von einem "Leben in Fülle" oder "volle Genüge" (Lukas 11, 10-11) für alle Menschen.
Da die Realität aber lehrt, dass längst nicht alles Menschen "genug" haben und schon gar nicht "Leben in Fülle", muss eine Ethik des Genug in zwei Richtungen ausgelegt und gelebt werden: Menschen, die nicht genug zum Leben haben müssen in die Lage versetzt werden ein Leben mit allem Lebensnotwenigen zu führen. Menschen, die mehr als genug haben müssen in die Lage versetzt werden, es genug sein zu lassen und mit anderen zu teilen.
Eine "Ethik des Genug" könnte so zu einer befreienden Vision für die Armen und Reichen werden. Es geht darum, dass alle genug zum Leben haben. "Genug" heißt für alle, die zu viel haben: Weniger ist mehr. Für die Armen gilt: Sie müssen "genug" bekommen, sodass sie gut leben können.
Eine Ethik des Genug ist also auf das Engste verbunden mit dem Gebot der Gerechtigkeit. Beides gründet in dem Glauben an den Schöpfer, der für alle seine Geschöpfe ein Leben in Fülle, in Gerechtigkeit und Frieden will.
Das Leben der Schöpfung vollzieht sich in Raum und Zeit, d.h. in von Gott gesetzten Grenzen. Eine Ethik des Genug hat auch die wichtige Aufgabe, diese Grenzen als etwas Heilsames zu achten und anzuerkennen. Denn es zeigt sich, dass unbegrenztes Wachstum die Grundlagen des Lebens mehr und mehr zerstört – des menschlichen wie auch des nichtmenschlichen Lebens.
Bei einer Ethik des Genug geht es schließlich auch um Lebensqualität. Nach christlichem Verständnis entscheidet sich dies nicht allein durch Besitz, sondern auch durch immaterielle Werte wie gelingende Beziehungen, Gemeinschaft, Solidarität, Nächstenliebe, Spiritualität, Natur, Kultur etc.