Suffizienz und Kirche

Ressourcenverbrauch reduzieren
 
Suffizienz (lat. sufficere = ausreichen, genügen) steht für "das richtige Maß", bzw. "ein genügend an". Einfach erklärt stellt Suffizienz die Frage: wie viel ist genug für ein gutes Leben?
 
Suffizienz bedeutet, den Überkonsum des Globalen Nordens einzuschränken, um dem Globalen Süden die Möglichkeit zu erhalten, sich zu entwickeln. Sie hängt somit eng mit Klimagerechtigkeit zusammen. Suffizienz ist eine wichtige individuelle und politische Nachhaltigkeitsstrategie ohne die Klimaneutralität nicht erreicht werden kann.
 
Die Stabsstelle Schöpfung und Umwelt hat Suffizienz zum Schwerpunktthema.
Wir laden alle Kirchengemeinden, diözesanen Einrichtungen und Verbände zu suffizientem Handeln ein. Lassen Sie sich von den Aktionen, Materialien und Veranstaltungen inspirieren!
 

 

Die politsche Ebene

Auf der politischen Ebene ist Suffizienz, neben Effizienz und Konsistenz, eine wichtige Nachhaltigkeitsstrategie um die Pariser Klimaziele noch zu erreichen. Der IPCC (2022) definiert Suffizienz als " […] alle politischen Maßnahmen und alltäglichen Praktiken, die keine zusätzliche Nachfrage nach Energie, Rohstoffen, Wasser oder Land schaffen und gleichzeitig Wohlstand für alle in den planetaren Grenzen ermöglichen." Unser Planet setzt uns deutliche Grenzen, wenn wir den Anspruch eines guten Lebens für alle Menschen und globale Gerechtigkeit umsetzen wollen. Beispiele für Suffizienzpolitiken sind: Begrenzung des Flächenverbrauchs, progressive Stromtarife, City-Maut für PKW, autofreie (Sonn)tage, Häuser der Eigenarbeit (z.B. Repair Cafés).

Die individuelle Ebene

Die Glücksforschung zeigt, dass ab einem gewissen Grad von Wohlstand die Zufriedenheit nicht weiter zunimmt. Es kann sogar befreiend sein, sich von materiellem Ballast, von zu viel Besitz zu befreien. Papst Franziskus schrieb dazu: "Die Genügsamkeit, die unbefangen und bewusst gelebt wird, ist befreiend." (Papst Franziskus, LS 223). Suffizienz lädt die/den Einzelne/n dazu ein, sich Fragen zu stellen wie: was macht mich wirklich glücklich?; Was brauche ich für ein gutes Leben?; Auf was kann ich verzichten, was kann ich teilen, was (ver)leihen?

Eine christliche Perspektive

Eine Ethik des Genug oder eine Ethik vom gelingendem Leben
(Zusammenfassung des Textes von Dr. Ruth Gütter, Aktionsheft "Mehr Mut zur Gerechtigkeit", S. 9)
 
Die Forderung einer "Ethik des Genug" basiert auf der grundlegenden Verheißung des christlichen Glaubens von einem "Leben in Fülle" oder "volle Genüge" (Lukas 11, 10-11) für alle Menschen.
Da die Realität aber lehrt, dass längst nicht alles Menschen "genug" haben und schon gar nicht "Leben in Fülle", muss eine Ethik des Genug in zwei Richtungen ausgelegt und gelebt werden: Menschen, die nicht genug zum Leben haben müssen in die Lage versetzt werden ein Leben mit allem Lebensnotwenigen zu führen. Menschen, die mehr als genug haben müssen in die Lage versetzt werden, es genug sein zu lassen und mit anderen zu teilen.
Eine "Ethik des Genug" könnte so zu einer befreienden Vision für die Armen und Reichen werden. Es geht darum, dass alle genug zum Leben haben. "Genug" heißt für alle, die zu viel haben: Weniger ist mehr. Für die Armen gilt: Sie müssen "genug" bekommen, sodass sie gut leben können.
Eine Ethik des Genug ist also auf das Engste verbunden mit dem Gebot der Gerechtigkeit. Beides gründet in dem Glauben an den Schöpfer, der für alle seine Geschöpfe ein Leben in Fülle, in Gerechtigkeit und Frieden will.
Das Leben der Schöpfung vollzieht sich in Raum und Zeit, d.h. in von Gott gesetzten Grenzen. Eine Ethik des Genug hat auch die wichtige Aufgabe, diese Grenzen als etwas Heilsames zu achten und anzuerkennen. Denn es zeigt sich, dass unbegrenztes Wachstum die Grundlagen des Lebens mehr und mehr zerstört – des menschlichen wie auch des nichtmenschlichen Lebens.
Bei einer Ethik des Genug geht es schließlich auch um Lebensqualität. Nach christlichem Verständnis entscheidet sich dies nicht allein durch Besitz, sondern auch durch immaterielle Werte wie gelingende Beziehungen, Gemeinschaft, Solidarität, Nächstenliebe, Spiritualität, Natur, Kultur etc.
 

 
  • „Mehr Mut zu Suffizienz!“ Aktion des Ökumenischen Bündnisses für Klimagerechtigkeit 2023/24. Die Aktion lädt alle christlichen Akteur_innen ein, mit der Politik in Kontakt zu treten und Suffizienz zu fordern. Sie zeigt auf, wo Kirche schon heute suffizient handelt. Die Erzdiözese Freiburg beteiligt sich an der Aktion.
     
  • "Genug für Alle! Genug für mich?" 12 Tage-Challenge zu Suffizienz von Misereor ab dem 01.08.2024.
 

 
Aktionsheft „Mehr Mut zu Suffizienz!“ des Ökumenischen Bündnisses für Klimagerechtigkeit. Mit Hintergrundinformationen und Praxisbeispielen zu Suffizienz in der Kirche.
 
 
Sketchnote Suffizienz von BUND und BUNDjugend. Erklärt schnell und übersichtlich die verschiedenen Dimensionen von Suffizienz. Kann auch als Poster aufgehängt werden.
 
 
 
Die Broschüre „Ein gutes Leben für alle! Eine Einführung in Suffizienz“ von BUND und BUNDjugend vermittelt auf rund 80 Seiten verständlich, was es mit dem Thema Suffizienz auf sich hat. 
 
 
 
 
Der Verein Micha Deutschland e.V. hat Gottesdienstbausteine für verschiedene Formate (Kindergottesdienst, Predigtanregungen, Liedvorschläge, ...) zum Thema Suffizienz erstellt. Informieren Sie uns gerne, wenn ein Schöpfungsgottesdienst in Ihrer Gemeinde stattfindet! sonja.jimenez@ordinariat-freiburg.de