„Kein Orchideenthema, sondern eine Haltung.“

An der Fachschule für Sozialpädagogik in Freiburg beschäftigen sich künftige Erzieherinnen und Erzieher mit regionalen Produkten – und „globalem Lernen“
 
Sollen sich angehende Erzieherinnen und Erzieher mit Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit beschäftigen? Na klar, findet Constanze Ott. „Wie wir diese Themen an unserer Schule behandeln, darüber diskutieren wir – ob sie bei uns überhaupt vorkommen, darüber nicht“, sagt die Leiterin der Katholische Fachschule für Sozialpädagogik in Freiburg. Die Bewahrung der Schöpfung sei „kein Orchideenthema, sondern eine Haltung, die wir alle mittragen.“
 
Deshalb gehört die Beschäftigung mit Ökologie und fairem Handel hier zur Erzieher-Ausbildung. Und sie ist Teil des Alltags der insgesamt mehr als 300 Schülerinnen und Schüler, die die über 100 Jahre alte Einrichtung in der Freiburger Händelstraße besuchen. 29 junge Frauen wohnen im angeschlossenen Wohnheim; rund 80 Auszubildende machen hier jedes Jahr ihren Abschluss als staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher. Herkunft und Hintergründe sind höchst unterschiedlich. „Bildungsgerechtigkeit ist bei uns ein wichtiges Thema, das gehört für mich zum katholischen Profil“, sagt Ott. „Erzieher oder Erzieherin kann ein Aufstiegsberuf sein.“
 
Viele der angehenden Erzieherinnen und Erzieher kommen mit dem Rad zur Schule.
 
Seit 2017 beteiligt sich die Schule auch an der Initiative „fair.nah.logisch.“ der Erzdiözese Freiburg, 2018 wurde sie für ihr Engagement für regionalen, fairen und ökologischen Einkauf ausgezeichnet. „Unsere Absolventinnen und Absolventen gehen in die Praxis, sie sind Multiplikatoren für diese Themen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Maria-Luise Blase: In ihren späteren pädagogischen Einrichtungen, in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hätten sie die Chance, etwas von dem praktisch umzusetzen, was sie in ihrer Schule erlebt und selbst mitgestaltet haben.
 

Auszubildende sollen Nachhaltigkeit mitgestalten

Im Bistro, zum Beispiel: Auf der Holztheke stehen fair gehandelte GEPA-Schokoriegel, im Kühlschrank daneben liegt Mineralwasser aus Bad Dürrheim im Schwarzwald, Lieler Limo aus dem Markgräflerland – und Coca Cola. Gibt‘s da nicht auch regionale Alternativen? „Die Schülermitverwaltung hat den Rechercheauftrag, das herauszufinden“, sagt Ott. Das sei der pädagogische Ansatz der Schule: Die Auszubildenden sollen sich auch selbst kümmern. Das dauere dann manchmal halt etwas länger. Dafür sei es nachhaltiger.
 
Faire Produkte in der Cafeteria der Fachschule
 
Hinter der Bistro-Theke steht Katja Sturm. Auf der Internetseite des Eine-Welt-Shops gebe es einen Katalog für „Fair Food“, erzählt sie, den schaue sie immer mal wieder durch, gemeinsam mit Schulleiterin Ott. Seit kurzem hat sie auch vegane Snacks im Angebot. „Die Idee kam von den Schülern“, sagt sie, „kommt gut an...“ Obstsalat, den es früher in Plastikschälchen gab, verkauft sie jetzt in kleinen Vesperboxen – gegen drei Euro Pfand. Kaffee holen sich sowieso alle in Mehrwegbechern. Nur die belegten Brötchen sind weiter in Folie eingewickelt, um sie frisch zu halten. „Da suchen wir noch nach Alternativen“, sagt Sturm. Nicht alles klappe eben auf Anhieb, ergänzt Ott: Glasflaschen zum Beispiel seien schwierig – wegen des Gewichts beim Einkauf. Und wegen möglicher Scherben in den Klassenräumen.
 
Hausmeister Reiner Gebhard vor den PV-Anlagen für dem Dach des Schulgebäudes
 
Trotzdem geht vieles, das meiste ist schon selbstverständlich. Zum Beispiel, dass Hausmeister Reiner Gebhard beim Einkauf auf Recycling-Toilettenpapier und Öko-Putzmittel achtet. „Soweit kann man schon denken als Mensch“, sagt er. Seine Gartengeräte haben Akkus, das vermeide nicht nur Abgase, sondern auch Lärm – und störe so den Unterricht weniger. Auf dem Dach der Schule stehen zwei Photovoltaikanlagen; seit der Sanierung des Hauptgebäudes 2018 lassen sich Temperatur und Lüftung energiesparend mit Lamellen an der Fassade regeln.
 
Globales Lernen im Curriculum verankert
 
Und seit rund fünf Jahren gibt es das Wahlpflichtfach „Globales Lernen“ an der Schule. Im hellen, offenen Foyer stehen Stellwände zum Thema Kinderarbeit, Schülerinnen und Schüler haben sie gestaltet. „Bei Kleidung zum Beispiel ist es nicht so leicht nachzuvollziehen, wo sie herkommt“, sagt Lehrerin Regina Kenfenheuer. „Vielleicht finde ich toll, dass ein T-Shirt so billig ist. Aber dann kann ich überlegen, was das für die Menschen bedeutet, die es produziert haben.“
 
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich selbst mit Themen wie globalem Handel, Fleischkonsum oder Müll auseinander. Sie organisieren Projekte wie eine Sammlung alter Handys zugunsten des katholischen Hilfswerks Missio. Regelmäßig kommen auch Gäste in die Schule wie etwa der Jesuit und Anwalt Pater Owen Chourappa, der in Nordostindien eine Menschenrechtsorganisation leitet und sich für Arbeiterinnen und Arbeiter auf Teeplantagen einsetzt.
 
Das Wahlpflichtfach "Globales Lernen" als Querschnittsthema
 
„Bildung für nachhaltige Entwicklung“, sagt Ott, werde sogar offiziell als „Querschnittsthema“ der Erzieher-Ausbildung benannt. „Aber es gibt keinen eigenen Lehrplan dafür“ sagt Ott, „das macht es nicht immer ganz einfach“. Was die Schule nicht davon abhält: Ein alternativer Stadtrundgang der Freiburger Initiative „Kaufrausch“ gehört ebenso zum Programm wie regionales und saisonales Einkaufen und Kochen. „Die Schülerinnen und Schüler erfahren so, dass sie ganz viel auf Märkten und oft bio einkaufen können. Und wenn sie Kokosmilch für die Kürbissuppe möchten, dann gibt‘s die auch fair gehandelt“, sagt Kenfenheuer.
 
Sie beobachte heute eine große Offenheit bei den Schülerinnen und Schülern für diese Themen, sagt Maria-Luise Blase: „Da hat sich viel getan.“ Die Erfahrungen aus ihrer Ausbildung könnten sich dann später im Berufsalltag in vielen kleinen Dingen niederschlagen, sagt sie. Etwa wenn eine Erzieherin für ihre Einrichtung einkaufe. Oder wenn sie mit den Kindern aus übrig gebliebenen Äpfeln Apfelmus kocht. Es gehe darum, „was ich im Alltag praktisch verändern kann, ohne dass ich mir gleich ein Bein dafür ausreißen muss“, sagt Kenfenheuer. „Dann wird es am ehesten umgesetzt.“
 
von Thomas Goebel
 

Kath. Fachschule für Sozialpädagogik, Freiburg

Kath. Fachschule für Sozialpädagogik, Freiburg
1914 gegründet, Ausbildungsort für ca. 300 Schülerinnen und Schüler