Auf dem Weg zum fair.nah.logischen Gemeindefest – ein Erfahrungsbericht aus Rohrbach

Frühsommer 2019: Es ist wieder soweit - die Vorbereitungen zum ökumenischen Rohrbacher Gemeindefest, das alle zwei Jahre gefeiert wird, laufen an. Schnell sind wir uns einig: Das diesjährige Motto “Alle in (s)einem Boot” umfasst für uns auch die Solidarität mit Menschen auf der ganzen Erde und die Verantwortung für Gottes Schöpfung. Also wollen wir den “fair.nah.logisch”-Gedanken erneut und intensiver aufgreifen. Doch wie kann das konkret an diesem Fest aussehen?

Beim Versuch, die Verpflegung unter den Gesichtspunkten nah (kurze Transportwege durch regionale Erzeuger), ökologisch (nachhaltig für die Umwelt) und fair (angemessene Preise für Erzeuger) zu überdenken, ergeben sich neue Ideen, aber auch zahlreiche Fragen:
  •  Weniger Fleischkonsum. Also bieten wir mehr vegetarische Alternativen an: Gemüseeintopf aus St. Joseph, das ist also gleichzeitig auch ein regionaler Anbieter. Tja, aber was wissen wir eigentlich über die Herkunft der Zutaten?
  • Die Dampfnudeln, die wir immer vom Bäcker hatten, sind ja wohl eindeutig regional. Ach so, ausgerechnet die werden gar nicht hier hergestellt?
  • Ein wenig Fleischkäse darfs dann doch sein – natürlich von einem lokalen Metzger. Recherchen auf der Homepage geben leider keinen Aufschluss, woher das Fleisch tatsächlich stammt.
  • Gebackener Camembert als vegetarische Alternative zum Fleischkäse – aber woher bekommt man den? Na gut, der Einfachheit halber greifen wir hier ausnahmsweise doch mal auf den Supermarkt zurück.
  • Kartoffelsalat - klar, wir nehmen nicht den aus dem Supermarkt sondern kaufen bei einem lokalen Anbieter. Als wir auf der Webseite lesen “Wir verwenden regionale Produkte höchster Qualität.” sind wir schon richtig begeistert.
Vielleicht ist die Sache mit den Getränken ja einfacher:
  • Leitungswasser als gesunde, günstige und transportfreie Alternative zu abgefüllten Getränken -super Idee. Oh, da benötigen wir jede Menge Krüge – wo organisieren wir die?
  • Wein – das ist klar, der kommt sowieso aus Rohrbach.
  • Säfte – die können wir dank persönlicher Beziehungen günstig in Bio- bzw. Streuobstwiesenqualität und regional abgefüllt erhalten.
  • Bionade – natürlich ist die “bio”. Wo kommt die denn eigentlich her?
  • Kaffee – selbstverständlich fair gehandelter. Schließlich ist ja auch der Eine-Welt-Stand am Fest vertreten. Da kommt ein zaghafter Einwand: Unsere Schränke sind aber noch voll mit Vorräten, die wir immer geschenkt bekommen. Diese wegzuwerfen wäre auch nicht im Sinne von fair.nah.logisch.
Jetzt bleiben noch die schwierigen Fragen: Wieviele Portionen wovon? Werden die Gäste die vegetarischen Gerichte akzeptieren, oder sich lieber auf die “traditionellen” stürzen? Sind Säfte oder Bionade beliebter? Wenn wir alles Essen auf Spendenbasis ausgeben, sollten wir die Einkaufspreise als Orientierungshilfe angeben?
Nach vielen Diskussionen stellen wir fest: das Verpflegungsangebot ist zwar kein perfektes “fair.nah.logisch”-Menü geworden, aber so viele Überlegungen sind in dieses Thema eingeflossen, die möchten wir unbedingt auch an die Gäste vermitteln. Aber wie? Und tatsächlich finden sich zwei kreative Menschen, die ein überdimensionales Plakat gestalten, das die Blicke und die Zustimmung vieler interessierter Gäste auf sich zieht. Für die Transparenz und das Bemühen um eine nachhaltige Verpflegung gibt es großen Applaus.
Und am Ende? - Da sind alle satt geworden – und haben vielleicht auch den einen oder anderen Gedankenanstoß mit nach Hause genommen.
von Ulrike Stampa