Bericht des Hauses St. Franziskus des Caritasverbands Konstanz

Unser Haus beteiligt(e) sich mit allen sechs Wohngruppen sowie der Tagesgruppe für Senior*innen an der Fastenaktion „40 Tage weniger“. Insgesamt nehmen damit rund 65 Bewohner*innen und etwa 100 Mitarbeitende teil. Ziel der Aktion ist es, während der Fastenzeit bewusst auf Fleisch zu verzichten und sich mit nachhaltigen Ernährungsformen auseinanderzusetzen.
 
Um die Aktion sichtbar zu machen und den gemeinsamen Charakter zu stärken, wurde auf unserer internen
 Startseite ein Countdown-Timer eingerichtet, der die verbleibende Zeit bis zum Fastenende anzeigt. Zusätzlich wurden dort die von Ihnen bereitgestellten Rezeptideen eingebunden, sodass jede*r unkompliziert auf vegetarische Inspirationen zugreifen konnte.
 
 

1. Umsetzung in den Wohngruppen

Fleischfreies Kochen am Wochenende

Das fleischfreie Kochen am Wochenende wurde in den meisten Wohngruppen gut angenommen. Viele Bewohner*innen zeigten Offenheit gegenüber vegetarischen Gerichten und probierten neue Rezepte aus.
Das gemeinsame Ausprobieren stärkte das Gruppengefühl und führte zu guten Gesprächen über Ernährung und Nachhaltigkeit.
 

Flexibler Umgang an Geburtstagen

An Geburtstagen kam es, wie erwartet, zu besonderen Essenswünschen. Mehrere Bewohner*innen äußerten den Wunsch nach Fleischgerichten. Dies wurde im Sinne eines selbstbestimmungsstärkenden Umgangs ermöglicht.
Die Aktion sollte bewusst als Einladung und nicht als starre Regel verstanden werden. 

Abendliches Vesper und Wurstverzicht

Der Versuch, beim Vesper vollständig auf Wurst zu verzichten, stieß in einer Wohngruppe
zunächst auf deutlichen Widerstand:  Als praktikable Lösung einigte sich die Gruppe darauf, dienstags und donnerstags weiterhin Wurst zum Abendessen anzubieten. Andere Gruppen berichten hingegen von einer überraschend hohen Akzeptanz:
„Bei uns läuft’s super, manche essen sogar vegane Wurst.“
Mehrere Teams kaufen derzeit nahezu ausschließlich vegetarische Wurstalternativen ein. Gelegentliche persönliche Wünsche nach Fleisch, z.B. ein Leberkäsbrötchen vom Bäcker, werden nicht eingeschränkt, da Bewohner*innen ihr Taschengeld selbstständig nutzen können.

Bereits bestehende vegetarische Routinen

In einigen Gruppen war der Einstieg leichter, weil dort bereits ein vegetarischer Tag pro Woche fest etabliert war und am Wochenende oft fleischfrei gekocht wurde. Dadurch konnten die Bewohner*innen gut an bestehende Gewohnheiten anknüpfen.

Vegetarische Rezepte und Experimente

Zu den neu erprobten Gerichten gehörten u. a.: 
  • Kidneybohnen-Burger  
  • Falafel  
  • Hummus 
Die Rückmeldungen waren durchweg positiv; viele bewerten die Gerichte als echte Bereicherung.

2. Umsetzung in der Tagesgruppe

Auch die Tagesgruppe für Senior*innen beteiligte sich aktiv und kochte im gesamten Aktionszeitraum 100 % vegetarisch. Die Teilnehmenden reagierten positiv und zeigten große Offenheit gegenüber fleischfreien Alternativen. 
 
Eine Bewohnerin belegt einen vegetarischen Flammkuchen

3. Übergreifende Aktivitäten in der Einrichtung

Während der Fastenzeit fand eine inklusive Wahlinformationsveranstaltung statt. Da für das gemeinsame Essen ein unkompliziertes Gericht auf die Hand vorgesehen war, fiel die Wahl ursprünglich auf Hotdogs. Um dem Rahmen der Fastenaktion gerecht zu werden, wurde das Gericht kurzerhand mit vegetarischen Würstchen umgesetzt. Diese Erfahrung zeigte, dass vegetarische Alternativen auch bei größeren Gemeinschaftsveranstaltungen gut funktionieren können. Die Rückmeldung war eindeutig: 
„Allen hat’s geschmeckt.“

4. Zusammenfassung und Fazit

Die Fastenaktion „40 Tage weniger“ wurde in unserem Haus mit Engagement umgesetzt.
Besonders positiv hervorzuheben sind: 
  • Hohe Beteiligung von Bewohner*innen und Mitarbeitenden
  • Offenheit gegenüber vegetarischen Alternativen
  • Neue kulinarische Erfahrungen und Rezepte
  • Achtung der Selbstbestimmung unserer Bewohner*innen
  • Pragmatische Lösungen
 Gleichzeitig wurde die Aktion in einem Kontext umgesetzt, der besondere Aufmerksamkeit erfordert: In unserem Haus leben Menschen mit geistiger Behinderung, für viele stellen klare Strukturen, Routinen und vertraute Abläufe eine wichtige Grundlage für Sicherheit und Orientierung dar. Essenszeiten und gewohnte Speisen (zu welchen Fleischgerichte zählen) haben für viele Bewohner*innen eine stabilisierende Funktion. Daher war es uns besonders wichtig, die Fastenaktion nicht als starre Vorgabe, sondern als Angebot zu gestalten.
Die Bewohner*innen wurden ermutigt, Neues auszuprobieren, ohne dass ihnen liebgewonnene Routinen genommen wurden (z.B. vegetarische Wurst zum Vesper).
Diese Haltung ermöglichte eine Balance zwischen Sicherheit und Veränderung, zwischen Bekanntem und Neuem, zwischen Struktur und Selbstbestimmung. Insgesamt hat die Aktion nicht nur neue Impulse für bewusste Ernährung gesetzt, sondern auch zu vielen positiven Gesprächen geführt.
Die Fastenzeit wurde so zu einem Anlass, über Nachhaltigkeit und Selbstbestimmung im Alltag nachzudenken. 
Wir sind gerne nächstes Jahr wieder dabei und bedanken uns für die Initiative und die Organisation!
 
Selma Ruh